2. Juli 2026

Zwischen Rekordhitze, Politik und Gänsehautmomenten: Unsere Zeit in Belgien

Vom 24. bis 28. Juni 2026 reisten 37 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen des Friedrich‑Franz‑Gymnasiums Parchim nach Belgien. Begleitet von den Lehrkräften Wilfried Lüders, Sabine Gläser und Daniel Schmidt sowie unserem Busfahrer Thomas Gröger ging es am Mittwochmorgen um 7:30 Uhr los. Mit an Bord waren auch Uschi N. und Sonja N. – zwei sehr herzliche Begleiterinnen, deren persönliche Familiengeschichte unsere Fahrt noch tief prägen sollte. Nach einer fast neunstündigen Fahrt erreichten wir schließlich unsere Unterkunft, die Herberge ‘t Pelterke in Overpelt, wo wir uns erst einmal von der langen Strecke erholen und den Abend ruhig ausklingen lassen konnten.

Die erste große Etappe führte uns am Donnerstag nach Brüssel, um das Europäische Parlament zu besichtigen. Dort erhielten wir durch einen informativen Vortrag einen Überblick über die komplexen Aufgaben der Abgeordneten und bekamen ein Gefühl dafür, wie die politische Arbeit auf europäischer Ebene funktioniert. Nach diesem Programmpunkt hatten wir Zeit, die belgische Hauptstadt in Kleingruppen auf eigene Faust zu erkunden, durch die geschichtsträchtigen Gassen zu laufen und ein paar Spezialitäten zu probieren. Allerdings wurde der Stadtrundgang zu einer ziemlich schweißtreibenden Angelegenheit, denn das Wetter zeigte sich von seiner extremen Seite: Am Nachmittag kletterte das Thermometer auf drückende 34 Grad. Die Hitze stand förmlich in den Straßen, sodass wir nach dem Ausflug eigentlich alle nur noch ein Ziel vor Augen hatten: Abkühlung. Zum Glück war der Zeitplan flexibel, sodass ein Großteil von uns den späten Nachmittag für einen Badegang nutzen konnte – der perfekte Ausgleich nach den vielen Schritten in der heißen Stadt.

Der darauffolgende Tag sollte für uns alle zum emotionalsten Moment der gesamten Fahrt werden. Unser erstes Ziel war der Soldatenfriedhof in Lommel, die größte deutsche militärische Gedenkstätte in Westeuropa. Als wir das Gelände betraten und vor den über 20.000 Kreuzen standen, wurde es ganz still. Zu realisieren, dass an diesem Ort fast 40.000 Menschen begraben liegen, war ein bedrückendes Gefühl. Die unendlichen, steinernen Reihen machten das Ausmaß der Vergangenheit auf einen Schlag greifbar. Gemeinsam versammelte sich die Gruppe am Grab von Uschis Vater zu einer kleinen Zeremonie. Inmitten dieser andächtigen Stille trat Lilly Verhülsdonk aus der Klasse 10a vor und zitierte passende Zeilen aus dem Gedicht „Gestohlener Vater“ von Annegret Kronenberg. Im Anschluss legten wir einen Kranz am Grab nieder – ein herzergreifender Augenblick, bei dem auch ein paar Tränen flossen. Es hat uns tief bewegt, wie direkt eine persönliche Familiengeschichte hier mit der Historie verknüpft ist.

Mit diesen eindrucksvollen Gedanken im Hinterkopf ging es weiter zum Kriegsmuseum „Liberation Garden“ in Leopoldsburg. An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an Uschi, die uns den Eintritt für die gesamte Gruppe aus eigener Tasche spendierte und uns diesen Besuch überhaupt erst ermöglicht hat. Vor Ort wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, um bei einem Rundgang die modern gestaltete Ausstellung zu erkunden. Die Führung war unglaublich packend, da uns die Regionalgeschichte des Zweiten Weltkriegs durch interaktive Elemente und persönliche Berichte sehr lebendig nähergebracht wurde. Das hat die Ereignisse von damals noch einmal viel anschaulicher gemacht.

Danach fuhren wir weiter nach Antwerpen. Die historische Stadt ist wunderschön, verlangte uns wettertechnisch aber wieder einiges ab, denn am Nachmittag erreichten die Temperaturen heiße 37 Grad. Aufgrund der drückenden Luft suchten einige von uns spontan Zuflucht in der Liebfrauenkathedrale. Die dicken, alten Mauern und die kühle Luft im Inneren waren in diesem Moment die Rettung und boten eine willkommene Pause, bevor wir die Stadt weiter besichtigten. Zurück in der Unterkunft nahm sich Uschi am Abend noch die Zeit, uns die Lebensgeschichte ihres Vaters zu erzählen, was das am Tag Erlebte viel nahbarer und verständlicher machte.

Mit dem Besuch der Festung Breendonk stand am Samstag die letzte große Station unserer Reise an. Das ehemalige Auffang- und Konzentrationslager aus dem Zweiten Weltkrieg konfrontierte uns noch einmal unmittelbar mit den dunkelsten Kapiteln der Geschichte. Bei dem Rundgang über das Gelände und durch die erhaltenen Räume war die düstere, schwere Atmosphäre des Ortes für uns alle deutlich spürbar. Zu sehen, wie die Gefangenen damals leben mussten, hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dieser Besuch hat uns erneut vor Augen geführt, wie wichtig eine aktive Erinnerungskultur ist und dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten darf. Um danach erst einmal auf andere Gedanken zu kommen, tat die Abkühlung beim anschließenden Baden am Nachmittag richtig gut.

Am Sonntag hieß es dann schließlich Abschied nehmen. Nach dem gemeinsamen Frühstück packten wir alle unsere Sachen zusammen und traten die Heimreise nach Parchim an. Hinter uns liegt eine Fahrt, die durch das extreme Wetter und die vielen neuen Eindrücke eine besondere Erfahrung war, an die wir uns sicher noch lange erinnern werden.

Ein großes Dankeschön gilt unseren Lehrkräften, Thomas Gröger für die sichere Fahrt, den Sponsoren das Land Mecklenburg-Vorpommern, das Programm “Demokratie leben!”, die Stadt Parchim, der Förderverein des Friedrich-Franz-Gymnasiums und natürlich Uschi und Sonja, die diese Reise für uns alle unvergesslich gemacht haben!

Autorin: Melina Happe

Belgien 2026

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Fotos: Emilia Brem, Greta Lossin, Lena Dammann, Miruna Gombos und Julia Otkinski

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