Die EU und ihre Migrationspolitik – ein Planspiel am FFG
„Wir schaffen das!“ Kaum ein Zitat hing der 16-jährigen Kanzlerschaft Angela Merkels so sehr an wie dieses aus dem Jahr 2015. Geäußert hatte sie es in einer Pressekonferenz im Sommer und erhitzte dabei viele Gemüter in der deutschen Bevölkerung. Während einige Menschen am Münchner Hauptbahnhof zu Symbolfiguren einer Willkommenskultur für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten wurden, fühlten sich andere zum Protest aufgerufen und schlossen sich Pegida an oder befürworteten die scharfe Rhetorik rechter Parteien.
Durch den Krieg in der Ukraine hat das Thema neuen Schwung gewonnen. Die Auswirkungen der Asyl- und Migrationspolitik sind bis heute spürbar. Was in der Gesellschaft kontrovers diskutiert wird, muss auch im Unterricht kontrovers behandelt werden – so lautet ein eiserner Grundsatz des Beutelsbacher Konsens.
Aus diesem Grund lud Sozialkundelehrerin Pauline Teichmann die Landeszentrale für politische Bildung an das Friedrich-Franz-Gymnasium ein, um mit Hilfe eines Planspiels die Entscheidungen der verschiedenen Nationalstaaten nachvollziehbar zu machen und kritisch zu hinterfragen. An verschiedenen Tagen schlüpften die Schülerinnen und Schüler der drei 10. Klassen in die Rolle der Staats- und Regierungschefs unterschiedlicher Nationalstaaten und simulierten einen Sondergipfel des Europäischen Rates.
Ausgehend von realen Hintergrundbedingungen wie der Dublin-III-Verordnung, die die Prüfung von Asylanträgen regelt, diskutierten die Gymnasiasten leidenschaftlich über nationalstaatliche Interessen sowie über mögliche Lösungsansätze. Hierbei hielten sie selbstverfasste Reden, lieferten sich einen Schlagabtausch mit wohldurchdachten Argumenten und handelten Kompromisse aus.
Ziel des interaktiven Planspiels war es, Politik erlebbar zu machen und aufzuzeigen, wie schwierig es sein kann, einen Konsens innerhalb der Europäischen Union herzustellen. Am Ende des jeweiligen Projekttages konnten sich die Schülerinnen und Schüler auf eine gerechte Verteilung von geflüchteten Menschen einigen – sie haben es geschafft.
Autor: Max Zawadzki
Bilder: Max Zawadzki und Burkhard Neels